Ur-Muster der Seele

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by Arkis 1996

I. Venus (griech.Aphrodite)

Von anderen Frauen (und den Göttinnen) wegen ihrer unwiderstehlichen Anziehungskraft gefürchtet, von den Männern (und  Göttern) angebetet, ist sie die meist besungene unter den mythologischen Frauengestalten. Sie ist die Göttin der Liebe, die “Freundin des Lächelns”, die “Wonne der Menschen und Götter”, die es mit ihrem unvergleichlichem Zauber versteht, alles in himmlischen Glanz zu hüllen. Wendet sie einem Wesen ihre Aufmerksamkeit zu, entfacht sie einen Sturm dieser unsagbaren, süßen Gefühle, die eine Ahnung zurücklassen, wie Gott uns gemeint hat. Grausam und finster aber seien die Abgründe, in die man stürzt, wenn Aphrodite sich abwendet, und ihre Aufmerksamkeit dem nächsten Objekt ihrer Begierde schenkt. Sie lebt ganz im Moment, und nichts bedeutet ihr mehr, als die völlige Hingabe an einen Augenblick vollkommener Liebeserfüllung. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen existieren für sie in einer anderen Welt. Die Göttin der Liebe ist nur der Liebe verpflichtet.

( Nach Margit Dahlke)

II. Ur-Muster der Seele

Der  Archetyp Venus: Andersartigkeit. Das DU. Der Partner als Botschaft.
Kurzfassung: Schau dich um und du siehst deine Welt. In dieser Welt begegnest du auf Grund deiner »Suchbilder« anderen Menschen, die eine verborgene Botschaft, deine Andersartigkeit, für dich bereithalten. Es ist ein Wechselspiel, in dem du suchst und dich vom anderen finden lässt. Vom Anderen wünscht du dir das, was du selbst nicht hast oder kannst. Du bist auf der Suche nach deiner »besseren Hälfte« und begegnest im DU deiner Andersartigkeit.

Dem Prinzip geschichtlich zugeordnet: Farbe (Smaragd) Grün, Zahl 6, Wochentag Freitag, Metall Kupfer, Tonart F

Diese innere Person übt Einfluss aus durch Gedachtes. Du trägst (in Gedanken) das Bild eines (Wunsch-) Partners in dir und startest so ausgerüstet die Begegnung mit einem DU.

Bringen wir dies alles auf einen einfachen Nenner, so kann hier gesagt werden, dass du in deinen Freunden und Partnern suchst, was dir fehlt, bzw. du beim anderen begehrenswert findest. Nur wer das Fehlende bieten kann, besitzt eine Chance in diesem uralten Spiel zwischen den Geschlechtern.

Anfangs mag dein inneres Bild von einem DU fern der Realität sein. Auf diese Weise fallen viele Menschen, denen du begegnest, durch den sprichwörtlichen Rost, weil sie deine überzogene Vorstellung nicht erfüllen können. Mit der Zeit erkennst du, dass du Abstriche von deinem Bild machen musst.

Ob du dein Glück endlich gefunden hast, entscheidet sich nach der Zeit der »rosaroten Brille«. Du stellst dann fest, oh Schreck, der Andere hat ja ebenso Fehler wie ich. Er lässt, um hier einige Beispiele anzuführen, die Zahnpasta Tube offen, sie entfernt nicht ihre Haare aus dem Ausguss, usw. Hier alle großen und kleinen Knackpunkte einer Beziehung aufzuzählen ist nicht möglich. Der geschätzte Leser hat selbst genügend Beispiele in seinem privaten Fundus, die das Leben für ihn sozusagen individuell »aufbereitet« hat.

Jede Person, mit der du eine Beziehung eingehst, ist gleichsam dein persönlicher Spiegel, der dir zeigt: »Auch das bist du«! Ja, und nicht immer gefallen dir deine Spiegelbilder. Manchmal erschrecken sie dich auch. Diese innere Person stellt Beziehungen mit andern her, damit du mit diesen in Austausch treten kannst.

Damit du im Anderen deine nicht gewollte Andersartigkeit entdecken und abarbeiten kannst. Meist ist dies eine lebenslange Aufgabe, (harmonischen) Ausgleich mit den von den Anderen gespiegelten Bildern zu finden. Ein solcher Ausgleich ist jedoch nur mit dem DU möglich und kann alleine nicht stattfinden.

Wer ist das DU, wer sind die Anderen? Jene Personen, die dir in deinem Leben begegnen, sind nicht immer durch Liebe oder Sexualität mit dir verbunden. Ebenso fallen deine Geschäftspartner in diese Kategorie. Und alle Menschen, die dir im »DU« begegnen: dein Nachbar, der Bäcker an der Ecke, dein Versicherungsvertreter, dein(e) Feind(e), dein Arbeitgeber, usw. Jede dieser Personen zeigt dir dein (Spiegel-)Bild. Du siehst dich!

Falls sich nun für dich die Frage stellt, was soll ich mit all den Menschen? Einige von ihnen möchte ich sogar weit weg wünschen. Nun, sie alle haben eines für dich: »Botschaften über dich selbst, und zwar Botschaften über das, was dir fehlt«. Sei aufmerksam in deinen Beziehungen, um die Teile, die du irgendwann »absichtlich« verloren hast, wieder »heimzuholen«.

© Ferdinand J. Heindl, 2006
Quelle: Forum Seele und Astrologie www.f-s-a.at

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Wo ES war …

… soll Ich werden.
(Sigmund Freud)

“Alles, was ich über die Welt und mich weiß, habe ich beim Malen erfahren!” (Rudolf Hausner)

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Adam – ein Selbstbildnis von R. Hausner

Eine kurze Einleitung zu den Bildern des phantastischen Malers Rudolf Hausner , den ich hier vorstellen möchte. Sigmund Freuds Maxime ist nicht nur eine therapeutische Zauberformel gegen das gespaltene Bewusstsein “psychisch Kranker”. Dieser Leitsatz freudscher Seelenforschung ist zugleich entschlüsselter Code für den Sinn von Utopien: Erweiterung der Kenntnisse. Seit dem 18. Jahrhundert überbot sich die wissenschaftlich ausgerichtete Kultur in der Beweisführung für die Richtigkeit unserer Träume und Vermutungen. Je weiter wir in Bezirke vordrangen, die zuvor unsichtbar waren, desto rascher werden die visionären Bilder der Vergangenheit eingeholt. Und je umfangreicher die  extraterrestrische Materie fotografiert und vermessen wird, umso wahrscheinlicher erscheint die Spekulation auf Fortpflanzung (im christlichen Sprachgebrauch wird dies das ewige Leben genannt) quer durch den Weltraum. Unterwegs scheint es viele Indizien dafür zu geben, dass wir auf dem Weg in die Zukunft der Zeit nicht voraus, sondern ihr entgegen reisen. ADAM – das ist der reflektierte Zustand einer Epoche: eine Atlas-Büste, die allmählich in die Stratosphäre hineinwächst; ein Denkergestirn, das sich in die Galaxis erhebt und die Augen wie fotografische Zellen eines Satelliten auf unbekannte Objekte richtet.

Für Hausners malerisches Bekenntnis zur psychoanalytisch geprägten kosmischen Utopie finden wir ein ähnliches Beispiel in der vielschichtigen Raumfahrtparabel von Stanley Kubrick “2001: Odyssee im Weltraum“. Auch Kubrick beschreibt die Astronautik als eine geheimnisvolle, von Neugier erotisch beflügelten Forschergeist inspirierte Expedition. Ein Raumschiff verliert sich, nachdem es die Grenze zur Unendlichkeit überflogen hat, tief in den Landschaften des Unbewussten; so wechselt von Sekunde zur Sekunde der Pilot die Altersschwellen innerhalb eines Vergangenheit und Zukunft gleichschaltenden Zeit-Raumes: als embryonaler Planet berührt der Astronaut die Erde wieder; in den schlummernden Augen, die wir auch in Hausners Adam-Gesicht wahrnehmen, steht die gelöschte Erinnerung an die Zukunft, aus der er einst kam. Denken wir an ein Motiv aus der “Arche des Odysseus”: die Embryos, die in den aufgebrochenen Augenhöhlen des gemarterten Adamkopfes kauern. Während wir ins Weltall hinausblicken blickt das Weltall auf uns.